Aller Anfang ist … Qäsekuchen
Weiß nicht, wie ich veganen Käse sonst hätte nennen sollen 😅
Eine leere Seite.
Was für die meisten gar nicht so bedrohlich klingt ist für mich und viele andere Schreiberlinge der blanke Horror. Weiß und leer scheint die Seite am Beginn des Manuskripts sagen zu wollen: „Ha! Du hast noch nichts geschafft. Hörst du? Nichts! Und du wirst auch nie etwas schreiben. Niemals!“
Dann schwebt der Zeigefinger über der Tastatur, während man schweißgebadet nach der besten Formulierung für den allerersten Satz sucht. Wobei: Muss es wirklich gleich der perfekte erste Satz sein? Vielleicht reicht ja ein guter. Oder zumindest ein ganz passabler. Eigentlich würde sogar ein mittelmäßiger reichen. Zur Not auch ein schlechter. Wenn ich ehrlich bin, würde wahrscheinlich sogar ein einzelnes Wort genügen. Oder ein Buchstabe. Oder…
Schluss jetzt!
Während der Cursor vorwurfsvoll weiterblinkt, beginnt das Gehirn zu arbeiten. Und mit „arbeiten“ meine ich natürlich, dass es alles tut, außer tatsächlich einen Satz zu schreiben. Toll.
Nein, die leere Seite ist nicht meine Freundin, weder auf der ersten Seite des Manuskripts, noch des Kapitels. Denn sie bedeutet, dass man endlich anfangen müsste. Verdammt, dieser Druck! Ist der erste Satz jedoch erst geschrieben schreibt es sich schon von ganz alleine. Dabei reicht es mir oft sogar, wenn da irgendetwas steht. Der erste Satz muss nicht mal Sinn ergeben – gelöscht werden kann er schließlich später noch! Hauptsache, die Seite ist nicht mehr so leer und bedrohlich.
Dabei habe ich bei schneller Durchsicht meines noch unbearbeiteten Manuskripts folgende, literaturpreisverdächtige erste Sätze gefunden:

- „Erster Satz.“
- „Käsekuchen wäre jetzt geil!“
- „A. würde gerne Z. anrufen, doch leider gibt es in ihrer Welt kein Telefon.“
- „Blut, Blut, Blut und noch mehr Blut!“
- „Naturelle [natriumarm]: Natürliches Mineralwasser ohne Kohlensäure.“
Fehlt eigentlich nur noch ein: „Wenn ich das später lese bin ich dusselig.“
So oder so: Man muss anfangen. Da führt leider kein Weg dran vorbei. Der erste Satz muss nicht gut sein, denn er kann später immer noch überarbeitet werden. Ist man erst einmal im Fluss, schreibt es sich auch ohne genialen Startsatz gut. Hoffentlich.
Zumindest First Drafts dürfen auch mit einem Platzhalter beginnen. Der berühmte erste Satz entsteht oft erst viel später. Wenn die Figuren bereits leben und die Welt Gestalt angenommen hat. Wenn man selbst verstanden hat, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Bis dahin reicht manchmal auch einfach: „Käsekuchen wäre jetzt geil!“
Und ganz ehrlich? Das ist immer noch besser als eine leere Seite. Vielleicht gilt das nicht nur für Romane. Während ich diese Zeilen schreibe, existiert dieser Blog gerade einmal seit wenigen Tagen. Ich habe keine Ahnung, welche Artikel hier in den nächsten Monaten entstehen werden oder welche Diskussionen sich entwickeln. Aber wie bei jeder Geschichte musste irgendwo ein Anfang gemacht werden.
Und falls dieser erste Blogbeitrag nicht perfekt ist, kann ich mich zumindest damit trösten, dass er deutlich sinnvoller beginnt als manche meiner Romanentwürfe. Und damit herzlich willkommen!
