Meine Werte

Es gibt Menschen, die behaupten, Werte seien Privatsache. Etwas, das man „nicht ständig so politisch machen“ müsse. Aber genau darin liegt doch das Problem: Viele können es sich leisten, ihre Werte nur gelegentlich sichtbar zu machen, weil ihre Existenz nie grundsätzlich infrage gestellt wird.

Was bedeutet Menschlichkeit eigentlich, wenn sie nur für manche gilt?

Feminismus bedeutet für mich mehr als Gleichberechtigung

Feminismus wird oft absichtlich missverstanden. Manche reduzieren ihn auf Männerhass oder Social-Media-Debatten. Dabei übersieht man leicht, worum es im Kern eigentlich geht: Machtstrukturen.

Wer darf laut sein?
Wer wird ernst genommen?
Wer muss ständig beweisen, kompetent genug zu sein?
Wessen Angst wird belächelt?
Wessen Körper wird kontrolliert?

Feminismus bedeutet nicht, Frauen auf ein Podest zu stellen. Es bedeutet, ein System zu hinterfragen, das bestimmte Rollenbilder so tief normalisiert hat, dass viele sie kaum noch bemerken. Noch immer werden Frauen weltweit schlechter bezahlt, häufiger Opfer sexualisierter Gewalt, politisch unterrepräsentiert und gesellschaftlich nach Aussehen bewertet. Gleichzeitig leiden auch Männer unter patriarchalen Vorstellungen: Emotionen gelten als Schwäche, Fürsorge als unmännlich, Verletzlichkeit als peinlich.

Patriarchale Strukturen schaden fast allen – nur nicht denen, die von ihnen profitieren.

Deshalb ist Feminismus für mich kein „Frauenthema“. Sondern die Frage, wie Menschen miteinander leben wollen.

Antirassismus endet nicht bei „Ich bin kein Rassist“

Viele Menschen betrachten Rassismus wie eine persönliche Charaktereigenschaft: entweder man ist „ein schlechter Mensch“ oder eben nicht. Dadurch wird das eigentliche Problem unsichtbar. Rassismus ist nicht nur offene Gewalt oder Neonazismus. Rassismus steckt auch in Strukturen, Erwartungen, Sprache und Normalitäten. In Schulen. In Behörden. Im Wohnungsmarkt. In Medienbildern. Und natürlich auch in der Frage, wer als „integriert“ gilt und wer nie ganz dazugehören darf.

Antirassismus bedeutet deshalb mehr als bloße Ablehnung von Diskriminierung: aktives Hinterfragen.

Warum gelten manche Namen automatisch als „fremd“?
Warum werden bestimmte Kulturen exotisiert oder dämonisiert?
Warum müssen marginalisierte Menschen ständig ihre Menschlichkeit beweisen, während andere einfach existieren dürfen?

Schweigen ist nicht neutral. Schweigen schützt den bestehenden Zustand.

Und Geschichte zeigt ziemlich deutlich, wohin Gleichgültigkeit führen kann.

LGBTQ+-Rechte sind Menschenrechte

Ich finde es immer wieder irritierend, dass die Existenz queerer Menschen wie eine Debatte behandelt wird. Als wäre Liebe oder Identität etwas, worüber Mehrheiten abstimmen dürften. Niemand „wird queer gemacht“, weil Sichtbarkeit existiert. Menschen werden lediglich weniger gezwungen, sich zu verstecken.

Die Realität ist: Viele queere Menschen wachsen mit Angst auf: Angst vor Ablehnung, Gewalt, Einsamkeit, sogar vor dem Verlust der Familie. Viele erleben all das tatsächlich. Deshalb empfinde ich Aussagen wie „Man darf ja heute gar nichts mehr sagen“ oft als bemerkenswert selbstzentriert, und das ist harmlos ausgedrückt. Denn meistens geht es dabei nicht um Zensur, sondern darum, dass diskriminierende Aussagen endlich Widerspruch bekommen.

Respekt ist keine Einschränkung von Freiheit.

Ich halte es für selbstverständlich, Menschen so anzusprechen, wie sie angesprochen werden möchten. Ich halte es für selbstverständlich, dass trans Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung und Sicherheit haben sollten. Ich halte es für selbstverständlich, dass queere Jugendliche Vorbilder brauchen.

Und ehrlich gesagt finde ich es beschämend, wie oft von „Tradition“ gesprochen wird, wenn eigentlich Kontrolle gemeint ist.

Veganismus war für mich irgendwann keine abstrakte Idee mehr

Ich finde es krass, wie normalisiert Gewalt und Missbrauch gegen Tiere ist. Viele Menschen behaupten, Tiere zu lieben und beteiligen sich gleichzeitig an einem System, das Tiere industrialisiert, misshandelt und tötet. Das klingt hart, aber genau deshalb wird meist versucht, die Realität sprachlich zu entschärfen.

„Nutztiere.“
„Produktion.“
„Verarbeitung.“

Diese Begriffe schaffen Distanz und degradieren Tiere zu Sachen.

Veganismus bedeutet für mich nicht Perfektion. Auch vegane Menschen leben nicht vollständig leidfrei. Aber es bedeutet, Verantwortung ernst zu nehmen, statt Ausbeutung als unvermeidbar hinzunehmen. Hinzu kommt die ökologische Dimension: Massentierhaltung gehört zu den größten Belastungen für das Klima. Trotzdem wird individueller Konsum oft stärker kritisiert als milliardenschwere Industrien.

Diese Werte hängen zusammen

Feminismus, Antirassismus, LGBTQ+-Rights und Veganismus wirken auf den ersten Blick wie getrennte Themen, für mich haben sie jedoch einen gemeinsamen Kern:

Die Frage, wessen Leid sichtbar gemacht wird, und wessen Leid als akzeptabel gilt.

Es geht immer um Macht.
Darum, wer definiert, was „normal“ ist.
Darum, wer Empathie verdient.
Darum, welche Gewalt gesellschaftlich legitimiert wird und welche plötzlich Empörung auslöst.

Natürlich sind diese Themen nicht identisch. Menschliche Diskriminierung und Tierethik sind nicht dasselbe. Trotzdem gibt es ähnliche Mechanismen:

Entmenschlichung.
Abwertung.
Unsichtbarmachung.
Rechtfertigung durch Gewohnheit.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich mich mit all diesen Themen beschäftige, sowohl im echten Leben, als auch in meinen Romanen. Ich will nicht, dass mein Wegsehen irgendwann auch zur Entscheidung wird.

Warum ich trotzdem Hoffnung habe

Trotz allem glaube ich nicht, dass Menschen grundsätzlich grausam sind. Viele Systeme funktionieren gerade deshalb so lange, weil sie Menschen daran gewöhnen, bestimmte Dinge nicht mehr zu hinterfragen. Aber Menschen können umlernen.

Gesellschaft verändert sich ständig. Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, galten früher als radikal. Frauenwahlrecht, gleichgeschlechtliche Ehe, Arbeitsrechte und selbst die Demokratie. Fast jeder Fortschritt begann mit Menschen, die als „zu sensibel“, „zu extrem“ oder „naiv“ bezeichnet wurden.

Ich möchte ein Mensch sein, der versucht, empathisch zu bleiben, auch wenn die Welt es nicht immer belohnt. Denn wenn Werte nur gelten, solange sie bequem sind, dann sind es wahrscheinlich keine echten Werte.

Wichtig: Ich bin nicht perfekt. Es kann durchaus sein, dass ich mich irgendwo diskriminierend äußere. Weist mich in dem Fall gerne darauf hin. Ich bin dankbar und lerne gerne dazu.